Erste Zehlendorfer Konfi-Tage und KonfirmationsjubiläumZehlendorf

Vom 6. bis zum 8. Oktober fanden die ersten Zehlendorfer Konfi-Tage im gemeindeeigenen Freizeitheim der Evangelisch-Lutherischen St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf der SELK statt. Im Gottesdienst wirkten die Konfirmanden mit, auch bei den Feiern zum 60-jährigen bzw. 74-jährigen Konfirmationsjubiläum. Anschließend feierte die Gemeinde zusammen auf dem geöffneten Herbstmarkt mit verschiedenen Suppen, Lagerfeuer, Stockbrot und anderen Köstlichkeiten.

NeuköllnJubiläum des Posaunenchores der Paulus-Gemeinde Berlin-Neukölln

40 Jahre Posaunenchor der Paulus-Gemeinde Berlin-Neukölln der SELK: Dieses Jubiläum feierte der 14-köpfige Bläserchor gemeinsam mit der Gemeinde mit einem musikalisch reich ausgestalteten Gottesdienst am 24. September. Als Höhepunkte erklangen dabei vier dreichörige Werke zu insgesamt 12 Stimmen von Gabrieli, Praetorius und Palestrina. Gemeindepfarrer Rainer Kempe stellte in seiner Predigt über Psalm 150 das Orchester des Alten Testaments vor. Dem Chor und besonders seinem Leiter Rainer Köster wurde gedankt. (SN/MB)

Stellungnahme Bischof Voigt: 200 Jahre „Kabinettsordre“ Friedrich Wilhelms III. Bischof Voigt c Buettner komp

Am 27. September 2017 jährt sich zum 200. Mal der Erlass der „Kabinettsordre“ durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III., die am Anfang eines notvollen Weges der Kirchwerdung selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in den damaligen preußischen Landen stand. Für die Entstehung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) ist dieses Datum von zentraler Bedeutung. Dies gilt auch für die lutherischen Bekenntniskirchen in den anderen deutschen Ländern, deren Gründung in letzter Konsequenz eine Reaktion auf die rigide preußische Religionspolitik war. Alle diese Kirchen gehören zu den Vorgängerkirchen der 1972 gebildeten SELK. SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover) greift das historische Datum in einer Stellungnahme auf.

I. Es ist mein Anliegen, den Tag nicht unbemerkt vorübergehen zu lassen, sondern mit dieser Stellungnahme darauf aufmerksam zu machen. Grund zum Feiern gibt es für uns nicht, denn der 27. September 1817 ist der historische Ausgangspunkt für die Unterdrückung lutherischer Gemeinden und ihrer Pfarrer in Preußen. Dieser Tag ist der Ausgangspunkt für Flüchtlingsbewegungen lutherischer Familien zum Beispiel nach Nordamerika oder Australien, die dort lutherische Kirchen gründeten, die heute zu den Schwesterkirchen der SELK zählen.

Wenn kein geringerer als Dr. Martin Luther 1529 in Marburg am Ende der Einigungsgespräche zu Huldrych Zwingli wegen dessen symbolischen Abendmahlsverständnisses mit großem Bedauern sagen muss: „Ihr habt einen anderen Geist!“, so nennt König Friedrich Wilhelm III. in seiner Kabinettsordre dies einen „damaligen unglücklichen Sekten-Geist“, der in der Person Luthers eben „unüberwindliche Schwierigkeiten fand“. Die lutherische und die reformierte Kirche sieht der König dreihundert Jahre später als „nur noch durch äußere Unterschiede getrennte(n), protestantische(n) Kirchen“. Damit beginnt die Marginalisierung der lutherischen Kirche zunächst in Preußen.

Am 27. September 1817 meint der König noch: „Auch hat diese Union nur dann einen wahren Werth, wenn weder Ueberredung noch Indifferentismus an ihr Theil haben, wenn sie aus der Freiheit eigener Ueberzeugung rein hervorgeht, und sie nicht nur eine Vereinigung in der äußeren Form ist, sondern in der Einigkeit der Herzen, nach ächt biblischen Grundsätzen, ihre Wurzeln und Lebenskräfte hat.“ Davon rückt Friedrich Wilhelm III. später ab und gibt 1830 einen „Erlass“ zur Einführung der von ihm selbst verfassten Unionsagende, in der reformierter und lutherischer Gottesdienst zusammengeführt werden.

Eine regelrechte Verfolgung nimmt ihren Anfang: Schlesische Gemeinden erinnern sich an die Verfolgung durch die Habsburger, die damals kaum 100 Jahre zurücklag. So wussten sie noch, was zu tun war und gingen zum Gottesdienst wieder in den Wald. Gemeinden im damaligen Pommern und in den Rheinprovinzen folgten ihrem Beispiel. Es gab Zeiten, in denen dort alle lutherischen Pfarrer im Gefängnis saßen.

Ich möchte an diese Leidensbereitschaft und an den Glaubensmut der Mütter und Väter unserer Kirche erinnern. Sie waren bereit, sich intensiv mit Glaubensfragen zu beschäftigen, ihnen war das Heilige Abendmahl so wichtig, dass sie unter keinen Umständen auf die Gewissheit von Leib und Blut Christi in Brot und Wein verzichten wollten. Sie waren bereit, nach der Legalisierung der lutherischen Kirche ab 1845 weiterhin zu landeskirchlichen Kirchensteuern verpflichtet zu sein und zusätzlich mit eigenen Kirchenbeiträgen zum Bau neuer lutherischer Kirchen und Pfarrhäuser beizutragen sowie für die Zahlung von Pfarrergehältern zu sorgen. Diese Opferbereitschaft in karger Zeit ist beispielhaft. Von dieser Opferbereitschaft lebt unsere Kirche bis heute.

II. Es ist wertvoll, diese Erinnerungen zu bewahren und wachzuhalten. Zugleich ist es für unsere Kirche auch wichtig, nicht in einer Opferrolle zu verharren. So haben wir in den vergangenen Jahren mit der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der Evangelischen Kirche in Deutschland einen Dialog geführt, in dem wir erstmals seit 200 Jahren diese unsere gemeinsame Geschichte betrachtet haben. Ein „Gemeinsames Wort“ und ein „Brief an die Gemeinden“ sind erarbeitet worden, die sich derzeit noch auf dem Weg der Verabschiedung befinden. Beide Papiere sollen in einem ökumenischen Buß- und Dankgottesdienst am Buß- und Bettag, 22. November, in Berlin unterzeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. In diesen Papieren werden bleibende Unterschiede zwischen unseren Kirchen klar benannt, aber auch gemeinsame Blickpunkte dankbar ausgesprochen.

Ausgangspunkt dieser Gespräche war eine sehr bewegende Predigt von Franz-Reinhold Hildebrandt, damals Leiter der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union (EKU), die dieser vor 50 Jahren (1967) gehalten hat. In dieser Predigt heißt es: „Mit Kolbenstößen von Soldaten, gewaltsamem Öffnen von Kirchentüren und Verhaftungen von Pfarrern, wie dies damals geschah, lud unsere Kirche eine Schuld auf sich, die noch heute nachwirkt. Damals sind viele Familien aus ihrer Heimat nach Australien und Nordamerika ausgewandert, um ihren lutherischen Glauben rein zu bewahren, den sie in der Union gefährdet sahen. Und wenn Schuld allein durch Vergebung bedeckt werden kann, so wollen wir diesen Tag nicht vorbeigehen lassen, ohne unsere altlutherischen Brüder um solche Vergebung zu bitten.“

Wir Heutigen stehen in einer bleibenden Verantwortung für unsere Geschichte. Weil wir am Segen unserer Kirche teilhaben, tragen wir auch bleibende Verantwortung für das Leid und die Schuld der Geschichte. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, menschliche Vergebung auszusprechen, selbst zu erbitten und zu gewähren.

So erfüllt mich der heutige Tag einerseits mit trauriger Erinnerung und tiefem Respekt vor dem Leid der Mütter und Väter unserer Kirche. Anderseits aber bin ich erfüllt mit großer Dankbarkeit für die lutherische Kirche, in die ich hineingetauft bin, die SELK. Ich bin erfüllt mit Dankbarkeit für die tiefgehenden respektvollen Gespräche mit der UEK, die beiden Kirchen ermöglichen werden, einander in Zukunft anders wahrzunehmen als bisher.

Dokumentation:
Kabinettsordre Friedrich Wilhelm III. vom 27.9.1817

„Schon Meine, in Gott ruhende erleuchtete, Vorfahren, der Kurfürst Johann Sigismund, der Kurfürst Georg Wilhelm, der große Kurfürst, König Friedrich 1. und König Friedrich Wilhelm 1. haben, wie die Geschichte ihrer Regierung und ihres Lebens beweiset, mit frommem Ernst es sich angelegen sein lassen, die beiden getrennten protestantischen Kirchen, die reformirte und lutherische, zu Einer evangelisch christlichen in Ihrem Lande zu vereinigen. Ihr Andenken und Ihre heilsame Absicht ehrend, schließe Ich Mich gerne an Sie an, und wünsche ein Gott gefälliges Werk, welches in dem damaligen unglücklichen Sekten-Geiste unüberwindliche Schwierigkeiten fand, unter dem Einflusse eines besseren Geistes, welcher das Außerwesentliche beseitigt und die Hauptsache im Christenthum, worin beide Confessionen Eins sind, festhält, zur Ehre Gottes und zum Heil der christlichen Kirche, in Meinen Staaten zu Stande gebracht und bei der bevorstehenden Säcular-Feier der Reformation damit den Anfang gemacht zu sehen! Eine solche wahrhaft religiöse Vereinigung der beiden, nur noch durch äußere Unterschiede getrennten, protestantischen Kirchen ist den großen Zwecken des Christenthums gemäß; sie entspricht den ersten Absichten der Reformatoren; sie liegt im Geiste des Protestantismus; sie befördert den kirchlichen Sinn; sie ist heilsam der häuslichen Frömmigkeit; sie wird die Quelle vieler nützlichen, oft nur durch den Unterschied der Confession bisher gehemmten Verbesserungen in Kirchen und Schulen.

Dieser heilsamen, schon so lange und auch jetzt wieder so laut gewünschten und so oft vergeblich versuchten Vereinigung, in welcher die reformirte Kirche nicht zur lutherischen und diese nicht zu jener übergehet, sondern beide Eine neubelebte, evangelische christliche Kirche im Geiste ihres heiligen Stifters werden, steht kein in der Natur der Sache liegendes Hinderniß mehr entgegen, sobald beide Theile nur ernstlich und redlich in wahrhaft christlichem Sinne sie wollen, und von diesem erzeugt, würde sie würdig den Dank aussprechen, welchen wir der göttlichen Vorsehung für den unschätzbaren Segen der Reformation schuldig sind, und das Andenken ihrer großen Stifter, in der Fortsetzung ihres unsterblichen Werks, durch die That ehren.

Aber so sehr Ich wünschen muß, daß die reformirte und lutherische Kirche in Meinen Staaten diese Meine wohlgeprüfte Ueberzeugung mit mir theilen möge, so weit bin Ich, ihre Rechte und Freiheit achtend, davon entfernt, sie aufdringen und in dieser Angelegenheit etwas verfügen und bestimmen zu wollen. Auch hat diese Union nur dann einen wahren Werth, wenn weder Ueberredung noch Indifferentismus an ihr Theil haben, wenn sie aus der Freiheit eigener Ueberzeugung rein hervorgeht, und sie nicht nur eine Vereinigung in der äußeren Form ist, sondern in der Einigkeit der Herzen, nach ächt biblischen Grundsätzen, ihre Wurzeln und Lebenskräfte hat.

So wie Ich Selbst in diesem Geiste das bevorstehende Säcularfest der Reformation, in der Vereinigung der bisherigen reformirten und lutherischen Hof- und Garnison-Gemeinde zu Potsdam zu Einer evangelisch christlichen Gemeine feiern, und mit derselben das h. Abendmahl genießen werde: so hoffe Ich, daß dies Mein Eigenes Beispiel wohlthuend auf alle protestantischen Gemeinen in Meinem Lande wirken, und eine allgemeine Nachfolge im Geiste und in der Wahrheit finden möge. Der weisen Leitung der Consistorien, dem frommen Eifer der Geistlichen und ihrer Synoden überlasse Ich die äußere übereinstimmende Form der Vereinigung, überzeugt, daß die Gemeinen in ächt christlichem Sinne dem gerne folgen werden, und daß überall, wo der Blick nur ernst und aufrichtig, ohne alle unlautere Neben-Absichten auf das Wesentliche und die große heilige Sache selbst gerichtet ist, auch leicht die Form sich finden, und so das Aeußere aus dem Innern, einfach, würdevoll, und wahr von selbst hervorgehen wird. Möchte der verheißene Zeitpunkt nicht mehr ferne sein, wo unter Einem gemeinschaftlichen Hirten Alles in Einem Glauben, in Einer Liebe und in Einer Hoffnung sich zu Einer Heerde bilden wird!

Potsdam, den 27. Septbr. 1817.
Friedrich Wilhelm.
An die Consistorien, Synoden und Superintendenturen.“

(Quelle: Klän, Werner / Da Silva, Gilberto (Hrsg.), Quellen zur Geschichte selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland. Dokumente aus dem Bereich konkordienlutherischer Kirchen, 2. Auflage, Oberurseler Hefte Ergänzungsband 6, Göttingen 2010, S. 33f)

Radiergummi als Veranschaulichung - SELK-Kindergarten Zehlendorf: Familiengottesdienst Schaukasten St Marien

Am Sonntag, dem 17. September 2017, feierte die St. Mariengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Zehlendorf im Anschluss an den Beicht- und Abendmahlsgottesdienst gemeinsam mit dem gemeindeeigenen Kindergarten einen Familiengottesdienst. Sie knüpfte dabei an eine Tradition an, die bis zum Ende der Amtszeit von Pfarrer Günther Kuhlmann (bis 1991) Praxis gewesen ist. Kinder aus dem Kindergarten und der Mariengemeinde feierten mit ihren Eltern und teilweise auch mit ihren Großeltern diesen Gottesdienst gemeinsam.

Im Gottesdienst wurden Lieder gesungen, die die Kinder schon im Kindergarten eingeübt hatten. Auch die Predigt war ganz auf die Kinder und den Beginn des neuen Schuljahres abgestimmt. Die verschiedenen alltäglichen Dinge im Schulalltag erhielten eine tiefere Bedeutung. So meinte Pfarrer Markus Büttner beispielsweise, dass man in der Schule auch nicht alles richtig mache und sich Fehler beim Rechnen oder beim Schreiben der Wörter einschleichen würden. Wer dies rechtzeitig bemerke, könne seinen Fehler korrigieren, indem er sein Radiergummi benutze, die falsche Zahl oder das verkehrte Wort wegradiere. Fehler machten auch Menschen auch sonst - nicht nur in der Schule, sondern auch im Verhältnis zu Gott und dem Nächsten. Auch wenn man selbst seine Fehler nicht ausradieren könne, habe Gott eine Art Radiergummi - nämlich Jesus: "Er nimmt unsere Fehler auf sich und radiert sie aus, indem er Schuld vergibt. Wer zu Jesus kommt, dem vergibt er und er darf neu anfangen."

Auch andere alltägliche Schulsachen, wie einen Reflektor, einen Bleistift, einen Anspitzer und eine Brotbox legte der Prediger für die Kinder aus.

Im Gottesdienst wurden auch die Dank- und Fürbittgebete vor Gott gebracht, für die zuvor im Kindergarten von den Kindern wichtige Gebetsanliegen gesammelt und zusammengetragen worden waren.

Jedes Kind wurde persönlich für das neue Kindergarten- und neue Schuljahr gesegnet. Zum Schluss bekamen die Schulanfänger eine Schultüte mit eben den Schulsachen, die Pfarrer Büttner in der Predigt ausgelegt hatte. Alle Kinder bekamen auch ein Holzkreuz geschenkt - zum Zeichen, dass Jesus Christus an ihrer Seite ist. Im Mai kommenden Jahres soll es erneut einen solchen Familiengottesdienst für Kindergarten und Gemeinde geben.

Darwin und der Schöpfer - SELK in Berlin-Wedding: Frühstück (nicht nur) für Frauen Wedding aussen

„Ich halte Darwin für einen der größten Biologen.“ So begann Professor Dr. Siegfried Scherer am vergangenen Samstag in den Räumen der Augustana-Gemeinde Berlin-Wedding der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) seinen Vortrag. Wie bitte!? Das hatte man nicht erwartet von dem bekannten Kritiker der Evolutionstheorie. Aber eins nach dem anderen.

Als Referent beim „Frühstück (nicht nur) für Frauen“ war Scherer eingeladen worden. Er leitet den Lehrstuhl für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München und befasst sich unter anderem mit Evolution. Früh um 9 Uhr kamen mehr als 40 wissenshungrige und kaffeedurstige Menschen aus vielen Berliner und Brandenburger Gemeinden, aus Guben und Hannover. Nach einem ausgiebigen Frühstück breitete sich um 10 Uhr eine erwartungsvolle Stille aus, in die hinein Scherer klarstellte: Ursprungsfragen sind Sinnfragen, sie haben eine religiöse und emotionale Dimension. Das ist der Grund, dass es bei Diskussionen um das Thema Evolution so polemisch zugeht. Doch er bezog klar Position: „Ich mache seit vielen Jahren Wissenschaft, sie stand nie gegen Religion, sondern beide ergänzen sich. Ich möchte, dass wir auf eine respektvolle Weise miteinander umgehen.“

Und dann kam er zurück zu seinem provokanten Eingangssatz: Darwin hat vieles erkannt, was bis heute stimmt. So verändern sich Lebewesen im Lauf der Generationen, Hunde zum Beispiel haben sich durch menschliche Zuchtwahl in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Und bei Darwinfinken kann man beobachten, wie aus einem Urahn 14 verschiedene Arten entstanden sind. Die Fähigkeit zur Mikro-Evolution – eine Entwicklung nur auf Art- und Gattungsebene – ist laut Scherer ein grundlegendes Kennzeichen des Lebens, vom Schöpfer so angelegt.

Wer war eigentlich dieser Darwin? Charles Darwin studierte Theologie. Er lernte, dass Tier- und Pflanzenarten unveränderlich sind. Er hegte anfangs keinen Zweifel daran, dass jeder Teil der Bibel wortwörtlich wahr ist. Doch auf einer Forschungsreise erkannte er, dass Arten durch natürliche Prozesse entstehen. Deshalb bekam er erste Zweifel an der Bibel und ihrer Aussage, dass Gott alles nach seiner Art schuf.

Ähnliche Erfahrungen machte 100 Jahre vor ihm Carl von Linné, ein schwedischer Naturforscher, der die Grundlagen der Taxonomie – Klassifikation von Pflanzen und Tieren – schuf. Auch er bekam Zweifel an der damaligen Lehrmeinung, dass Arten unveränderlich seien. Doch im Gegensatz zu Darwin, der die ganze Bibel infrage stellte, fragte er sich nur: „Habe ich den Bibeltext richtig verstanden?“

Heute existieren verschiedene Ansichten, wie die Welt entstanden ist – mit oder ohne Gott. Doch Scherer machte deutlich: „Ich habe keinen einzigen Menschen getroffen, der gesagt hat, ich bin Christ geworden aufgrund der 6-Tage-Schöpfung – sondern weil er erkannt hat, was Jesus für ihn getan hat!“ Zustimmendes Kopfnicken begleitete diese Aussage.

Jetzt kam der Knackpunkt, die große Streitfrage nach der Makroevolution: „Ist natürliche Evolution unbegrenzt?“ Nein, meinte Linné, höhere Einheiten wie Familien und Ordnungen könnten nicht natürlich entstehen. Doch, meinte Darwin, alles sei zufällig auseinander entstanden. Aber letztlich hatte er keine Vorstellung davon, auf welche Weise aus dem Einfachen das Komplexe entstehen könnte.

Scherer gab zwei Beispiele für bis heute unerklärliche Phänomene: Zunächst nannte er den „Super-Hyper-Ultra-Miniatur-Elektro-Rotationsmotor“: die Ansatzstelle einer Geißel am Darmbakterium E. coli. Die Zelle ist nur 2 μm groß und hat bis zu 15 Geißeln, jede wird von einem „Motor“ angetrieben, der eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 μm/sec erreicht („Stellen Sie sich einen Porsche vor, der mit 800 km/h über die Straße braust!“). Staunen von allen Seiten. Der Ursprung ist unbekannt, es gibt keine evolutionsbiologische Erklärung dafür. Was nun, Herr Darwin?

Sodann führte der Referent an: Seit Miller im berühmten „Ursuppen-Experiment“ einfachste organische Moleküle aus anorganischen Bausteinen synthetisierte, indem er die vermutete Atmosphäre einer jungen Erde nachahmte, sind viele Jahrzehnte vergangen – doch der Entstehung einer Zelle aus unbelebter Materie ist die Wissenschaft noch keinen Schritt nähergekommen. Im Gegenteil, man ahnt erst langsam, wie kompliziert selbst die „primitivste Zelle“ aufgebaut ist. Den Beweis trat Scherer mit dem nächsten Bild auf der Leinwand an: ein Gewirr von Kästchen, Abkürzungen und Pfeilen, das die Stoffwechselvorgänge in der einfachsten denkbaren Zelle beschreibt. Und: „Das ist nur ein kleiner Ausschnitt daraus.“ Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren verblüfft, das hatten sie sich so nicht vorgestellt. Und das alles sollte zufällig entstanden sein, bevor die erste funktionsfähige Zelle vorhanden war?

„Der Stand der Wissenschaft“, so Scherer, „ist dieser: Der Ursprung des Lebens ist unbekannt!“ Und das betonte er noch einmal: „Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ich sage nur, wir wissen es nicht! Und das gilt für alle komplexen biologischen Strukturen.“ Andererseits: „Ungelöste Probleme der Evolutionsbiologie sind kein Beweis für die Existenz eines Schöpfers.“ Die gleichen naturwissenschaftlichen Daten können sehr unterschiedlich interpretiert werden, da spielen Weltanschauung und Erfahrung mit hinein. Ob man die Welt als Zufallsprodukt ansieht oder als Schöpfung, hängt von der „Brille“ ab, die man sich aufsetzt.

Francis S. Collins, ein berühmter Genetiker in den USA, schrieb ein Buch mit dem Titel „The Language of God“ (Die Sprache Gottes). Darin vertritt er die These, dass die DNA die Sprache ist, mit der Gott „durchs Wort“ geschaffen hat.

Scherer erzählte, wie er als Student einen Frosch sezieren und die Organe betrachten musste. „Ich wusste es: Das, was ich sehe, kann nicht Zufall sein!“ Man kann Gott erkennen an der Herrlichkeit der Schöpfung, denn die Natur spricht eine Sprache, die jeder verstehen kann. Aber Gott wohnt nicht in den ungelösten Problemen der Evolutionsbiologie, er ist viel größer.

Kräftiger Beifall brandete auf, als der Referent endete. Und dann tauchten viele Fragen auf, ein reger Austausch begann. Die neueste wissenschaftliche Erkenntnis: Die tiefste Ebene der Materie ist nicht die Energie, sondern die Information. Dazu passt der Anfang des biblischen Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort.“ Über die Schöpfungsgeschichte entbrannte eine lebhafte Diskussion. Dabei stellte der Referent klar: Die Bibel macht keine naturwissenschaftlichen Aussagen, sondern ist Offenbarung. Umgekehrt kann die Naturwissenschaft ethische Fragen nicht beantworten.

Über die Entstehung des Menschen gab es auch verschiedene Meinungen, aber der Mensch besitzt laut Scherer gegenüber den Tieren ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht durch Evolution entstanden sein kann: Er kann beten und eine Beziehung zu Gott haben.

Um 12 Uhr ebbte die Diskussion allmählich ab, nur ganz Neugierige bedrängten den geduldigen Professor weiter mit Fragen. Es war ein gutes, gelungenes Frühstück, so bekräftigen viele hinterher. Über das Thema und den Referenten können sich Interessierte auf www.siegfriedscherer.de umfassend informieren. (SN/MB)

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