Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Matthäus 16,26 Pfarrer Markus Bttner c komp

Gewinnen oder Verlieren - das ist hier die Frage! Der Mensch will ohne Frage auf der Gewinnerseite des Lebens stehen. Verlieren ist keine Option. Unsere Leistungsgesellschaft fordert geradezu auf mehr zu wollen, zu haben, zu gewinnen: mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Spaß, mehr Zeit, schnelleres Auto, größeres Haus, leistungsfähigere technische Geräte, usw. Das Leben soll gelingen, störungs- und sorgenfrei, gesund und munter. Nichts weniger als das Leben im Griff zu haben, ist das Ziel. Die Welt steht dem Menschen offen und liegt ihm zu Füßen. Sehr wohl will der Mensch die Welt gewinnen, auch wenn es nur seine eigene kleine Welt ist. Auch der Christ ist Kind seiner Zeit. Der Zeitgenossenschaft kann sich kaum einer entziehen. Wir sind Teil dieser Epoche und können uns wohl nur schwer von den Grundsätzen und Maßstäben lösen, um einen Moment inne zu halten. Der Monatsspruch für September ist eine Möglichkeit zu reflektieren, nachzudenken, anzuhalten.

Gewinnen oder Verlieren? Das Leben ist kein Lotteriespiel! Sind nicht schon die Kategorien des Gewinnens und Verlierens falsch? Wer bestimmt, wer gewonnen und wer verloren hat? Es sind zum einen eigene und zum anderen an uns herangetragene Erwartungen, die zu Verlierern oder Gewinnern machen; sein Leben hat man im Griff zu haben, trotz der verschiedenen Herausforderungen. Klaglos ist die Arbeit zu verrichten. Schweigend sind die Gebrechlichkeiten hinzunehmen. Es gilt um jeden Preis zu funktionieren. Hilfsbedürftigkeit ist ein Zeichen von Schwäche. Wer schwach ist, hat verloren. Gewinnen oder Verlieren? Jedes Leben ist wertvoll, auch wenn über fremdes Leben richtend anders gedacht (und geredet) wird oder wie mancher gar sein eigenes Leben bewertet. Alles Leben ist von Gott! Wer kennt nicht Niederlagen in seinem Leben mit zurückgebliebenen Verwundungen. Mancher hat vernarbte Wunden an der Seele - am Leben -, der dann doch rückblickend zu sagen vermag, dass er in den Zeiten der Krise Gott näher war als in den Zeiten, wo das Leben vermeintlich reibungslos und glücklich verlief. Geprüftes Leben macht reich, wenn es uns in die Arme Jesu Christi führt. Bei ihm ist der Mensch frei vom Diktat des selbstgemachten gelingenden Lebens. Denn bei Jesus Christus hat auch das misslungene Leben mit seinen Fehltritten, den Niederlagen, den Verletzungen an Leib und Seele, seinen Ort. Seinen Platz hat derjenige bei Christus, der mit seiner Sünde zum Lamm Gottes kommt, um von ihm Vergebung zu empfangen, der mit seinen Verletzungen zum Heiland kommt, damit er heilend wirkt. Wer Jesus Christus als Herrn hat, gibt das Herr-Sein über sein eigenes Leben ab – ohne aber seinen Verstand abzugeben – und vertraut sich der Führung des Guten Hirten an. Diese Führung erspart einem nicht unbedingt das finstere Tal mit Leid, Not, Sorgen, aber die Angst ist im Unglück nicht überwältigender Begleiter, sondern Stecken und Stab des Guten Hirten trösten und lassen uns gewiss sein, dass er gegenwärtig ist.

Denn der Herr weiß um Leid, weil er selbst gelitten hat. Das Leiden Jesu und die Leidensnachfolge seiner Jünger gehören untrennbar nach dem Zeugnis des Neuen Testaments zusammen. Gleichwohl geht es nicht darum an die Stelle des Lebensideals eines gelungenen Lebens, eines Lebens ohne Leid, nun eine Sehnsucht nach Leid zu setzen, gleichsam ein Leidensideal, im Irrlauben auf diese Weise Christus nun näher zu sein. Vielmehr geht es dem Herrn darum in seiner Nachfolge ihm ähnlicher zu werden und auch Leid und Tod um seinetwillen nicht zu scheuen. Christusnachfolge kostet! Leid soll nun nicht allein passives Hinnehmen sein, ein Hineingeben in ein unabänderliches Schicksal, sondern soll für Christusnachfolger aktive Lebenseinstellung werden. Nachfolge bedeutet daher sich an dem zu orientieren und das nachzuleben, was Jesus Christus vorgelebt hat im gleichzeitigen Glauben und Wissen eben von diesem Herrn getragen, geführt und geleitet zu sein. Dies kann Einhergehen im Widerstand gegen die eigenen Vitalinteressen und gegen die eigenen Lebensvorstellungen in der lebenslangen Zu-und Hinwendung zu Jesus Christus.

Eingebettet in diese Zuspitzung bekommt die Anfrage des Herrn die Welt zu gewinnen, aber Schaden an seiner Seele - an seinem Leben - zu nehmen, nochmals eine besondere Wendung. Offenbar kann man die ganze Welt gewinnen, dabei aber sein Leben verlieren, seine Seele verkaufen, seine Identität preisgeben, und Schaden nehmen. Dieser Schaden ist keine Bagatelle, kein kleiner Rempler auf dem Parkplatz, kein leicht zu behebender Fehler. Es ist eine Lebenseinstellung, die das eigene Leben zerstört und auslöscht, durch das eigene Herr-Sein im Leben, der Neigung zum Bösen, der Übertretung der heiligen Gebote Gottes. Es ist der Totalschaden in der Beziehung zum Nächsten und die Bankrotterklärung Gott gegenüber. Aus eigenem Vermögen ist dieser Schaden nicht zu beheben. Dieser existentielle Totalausfall bedarf der Annahme durch Jesus Christus. Dafür hat er gelitten, ist gestorben und leibhaft auferstanden. Bezahlt hat er, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut. Wer gewinnt oder verliert entscheidet kein Mensch, sondern entscheidet am Ende der Tage der Weltenrichter Jesus Christus. Gerufen in die Christusnachfolge durch die Heilige Taufe ist der Christ gehalten, ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Dies versetzt den Christusnachfolger in die Lage, die Rangordnung der Dinge dieser Zeit und Welt zu bewerten und einzuordnen. Sie bekommen eine andere Gewichtung, wenn der Christ das Leben von seiner Zukunft her gestaltet. Von Gottes Ewigkeit her verschieben sich die Prioritäten. Im Angesicht der Ewigkeit wird Wichtiges unwichtig, Hauptsachen werden zu Nebenschauplätzen. Die menschlichen Spielregeln von Gewinnen und Verlieren werden abgelöst durch die Christusnachfolge. Das befreit und lässt aufatmen. Denn der Christ hat durch die Taufe Anteil am Sieg, den der Herr am Kreuz erkämpft hat und durch seine Auferstehung bestätigt wurde. Ein Christ ist Gewinner, weil Jesus Christus alles für ihn gewonnen hat. Das tröstet deshalb, weil niemand mehr selbst gewinnen muss, keiner sich auf das Spiel des Gewinnens und Verlierens in dieser Welt einzulassen braucht, nicht jeder Wettstreit bis zum Ende erbittert ausgefochten werden muss. Das gibt Gelassenheit, schenkt besonnenes Handeln, lässt an der richtigen Stelle Schweigen und Reden. Denn gewonnen hat der, der sich zu Jesus Christus hält und ihm nachfolgt durch diese Zeit in die Ewigkeit. Diese Frage ist entschieden!
Herzliche Grüße – Pfarrer Markus Büttner

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