Pfarrer Markus Bttner c komp

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht ver-lassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.                                                                                                     Hebräer 10,23-25

Was treibt den Menschen an? Das wird wohl sehr unterschiedlich sein. Der Sportler beispielsweise möchte aus den Wettkämpfen als Sieger hervorgehen. Dies erfordert zuvor ein hartes Training und ein Kräftemessen mit anderen. Auf den Punkt gilt es dann die Leistung im Wettkampf abzurufen und konzentriert den Sieg im Blick zu haben. Das, was für Sportler gilt, gilt auch für andere Bereiche des Lebens, sei es privat oder beruflich.
Der Monatsspruch für Oktober aus dem 10. Kapitel des Hebräerbriefs – Vers 24 – ermutigt uns Christen, aufeinander achtzugeben und einander zur Liebe anzuspornen sowie zu guten Werken zu motivieren. Eine solche motivierende Mahnung haben auch Christen nötig, weil man sich aus den Augen verlieren kann. Wer sich aus den Augen verliert, dessen Liebe zum Nächsten nimmt ab und die Bereitschaft, gute Werke aus dem Glauben heraus zu tun, wird geringer.

Eingebettet ist dieses Bibelwort in einen größeren Zusammenhang, der mit der Überschrift „Bekenntnis der Hoffnung“ versehen werden kann. Die Hebräer werden ermutigt und ermahnt, am Bekenntnis der Hoffnung festzuhalten, weil Gott treu ist. Gott ist treu, weil er fest zu seinen Zusagen steht. Der Christ aber antwortet mit dem Bekenntnis der Hoffnung. Gemeint ist das Taufbekenntnis. Denn in der Heiligen Taufe hat der Dreieinige Gott sein voraussetzungsloses und bedingungsloses Ja gesprochen. Es ist gegründet in Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesu Christi. Mit dem Taufwasser ist die Kindschaft besiegelt und beschlossen. Erbe des ewigen Lebens zu sein, ist uns zugesagt. Der bekennende Glaube hat sich in den Krisen dieser Zeit und Welt, wie sie im Einzelnen auch heißen mögen - letztlich auch im Sterben - zu bewähren.
Denn es ist ein Bekenntnis der Hoffnung. Nun ist diese Hoffnung keine in eine ungewisse Zukunft hinein. Jedes menschliche Hoffen ist auch ein Bangen, ob denn die Hoffnung auch erfüllt werde. Dieser menschlichen Hoffnung steht das Bekenntnis der Hoffnung gegenüber. Denn diese Hoffnung ist eine in Tod und Auferstehung Jesu Christi begründete Hoffnung. Weil diese Hoffnung eben dort bei Jesus Christus verankert ist, ist es auch eine verlässliche Hoffnung, die gewiss, getröstet und zuversichtlich die Zukunft in Gottes neuer Welt im Blick hat. Zum bekennenden Glauben tritt die unerschütterliche Hoffnung, die ihren festen Halt im Erlöser selbst hat. Diese Hoffnung zu haben ist Merkmal des christlichen Glaubens. Alles aber kommt aus und mündet zugleich ein in Gottes unvergleichliche Treue. Weil Gott uns in verlässlicher Treue begegnet, antwortet der Christ in treuem Festhalten am Bekenntnis. Gottes verlässliche Treue und die antwortende Treue des Christen sollen sich entsprechen. Weil Gott selbst treu zu seinen Verheißungen steht, ist auch die Kirche mit ihren Gliedern zur Bekenntnistreue verpflichtet. Diese Verpflichtung ist keine belastende Aufgabe, sondern sie ist dankbare Antwort der Glaubenden auf Gottes großes Tun und seine Treue zu seinen Verheißungen.

Diese dankbare Antwort auf Gottes Treue soll sich auch konkret im Leben der Gemeinde auswirken. Sie entfaltet sich im gegenseitigen Achthaben, im Anspornen zur Liebe und zur Motivation zu guten Werken. Wer motiviert werden muss, der steht in der Gefahr, nachlässig zu werden, die Prioritäten zu verschieben, das Ziel nicht konsequent zu verfolgen. Als erstes braucht es ein sehendes und hörendes Herz, um die Glaubensgeschwister wahrzunehmen. Der Hebräerbrief ermutigt auch uns, aufeinander aufzupassen, achtzugeben, aufmerksam zu sein. Kontrolle ist nicht gemeint; auch nicht der erhobene Zeigefinger. Niemand steht über dem anderen. Vielmehr ist der wache Blick in Liebe gemeint, der sich in guten Werken für den Nächsten zeigt und für ihn erfahrbar ist. So geht es hier vor allem um die seelsorgerliche Zuwendung zu den Geschwistern im Glauben. Der Christ achtet auf seine Glaubensgeschwister, um ihnen in Liebe zu helfen. Im liebevollen Miteinander motiviert man sich innerhalb der Gemeinde zu guten Werken und gegenseitigem Dienst. Der Hebräerbrief stellt fest, dass es Defizite an Liebe und guten Werken in der christlichen Gemeinde gibt. Darum braucht es die gegenseitige Motivation, füreinander in Liebe helfend mit guten Werken und zum Dienst da zu sein. Dies ist auch in unseren Tagen eine ermutigende und tröstende Ermahnung für uns alle.
Wer auf den gegenseitigen Dienst in Liebe bedacht ist, wird die eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige wohl seinerzeit getan haben, erläutert der Hebräerbrief. Gemeint ist hier die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde. Manche haben sich nichts mehr aus den Gottesdiensten gemacht und sind ihnen fern geblieben. Was die Gründe für das Fernbleiben sind, wird nicht erwähnt – vielleicht der Abfall vom Glauben, mindestens aber, dass die Begeisterung für den Glauben verloren gegangen ist. Welche Gründe werden heute vorgebracht, um nicht am Gottesdienst teilzunehmen? Darum ist umsichtiger Blick in Liebe, der sich in der Tat zeigt, auch in diesen Tagen mit ihren Herausforderungen nötig. Dies ist besonders erwähnenswert, weil doch der Christ sein Leben von Gottes neuer Welt her gestaltet. Der Tag der Wiederkunft naht sich. Wir gedenken im November – am Ende des Kirchenjahres – besonders am Ewigkeitssonntag dieser neuen Welt Gottes und der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus zu seinem zweiten Advent in dieser vergehenden Welt. Wir gehen seinem Tag entgegen, und der erhöhte Herr kommt auf uns zu. Um ihm bereit entgegen zu treten, gilt auch uns der Monatsspruch für Oktober zu Trost und Motivation: Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
Herzliche Grüße Ihr Pfarrer Markus Büttner

SELK


 

 

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