Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. Sacharja 2,14 Pfarrer Markus Bttner komp b

Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es. Man ist in gespannt freudiger Erwartung und fiebert dem Ereignis entgegen. Wir können es wohl in diesen Tagen besonders bei Kindern erleben, die in großer Vorfreude dem Weihnachtsfest entgegensehen.
Vorfreude, denn der Herr kommt! Das weissagt Sacharja dem Volk Israel um das Jahr 520 vor Christi Geburt. Aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt, findet es Jerusalem mit dem Tempel noch weitgehend in Trümmern liegend vor. Nun sind die ehemals Gefangenen zwar frei, jedoch sind sie in ein zerstörtes Jerusalem heim gekommen. Bedrückend ist nicht nur die zerstörte Infrastruktur, sondern vor allem kann der zerstörte Tempel als das Zentrum der Gegenwart und Begegnung Gottes für den Gottesdienst nicht genutzt werden. Der Tempel ist doch der Ort, an den sich Gott mit seiner Gegenwart freiwillig gebunden hat; dort ist die heilige Stätte, an der das Volk Kontakt mit Gott hat. Der Tempel jedoch ist verwaist. Gott ist mit seiner gegenwärtigen Herrlichkeit noch nicht wieder eingezogen. Bedrückende Ohnmacht überkommt das Volk Israel angesichts dieser Tatsache. Was nützt alle Freiheit, wenn Gottes Gegenwart fehlt? Was hilft alle augenscheinliche Sicherheit, wenn man Gott nicht begegnen kann, weil er dort, wo er sich finden lassen wollte, nicht aufzufinden ist?
In diese trostlose Situation spricht der Herr selbst durch den Propheten und ruft das Volk in die Vorfreude. Er kommt, um zu bleiben! Wohnung will der Herr nehmen in seinem Haus – dem Tempel. Die Vorfreude hat ihren Grund zum einen im Kommen und zum anderen im Wohnen des Herrn. Diese alten Worte weisen jedoch weiter als nur auf die damaligen Geschehnisse im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Dieses Freudenwort ist ein Hinweis auf den kommenden Messias, der über 500 Jahre später geboren werden sollte:
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)
Es ist ein Verweis auf Jesus Christus, den verheißenen Messias. Jesus Christus kommt, um zu bleiben. Jedoch wird er weder im Palast geboren noch erblickt er im Tempel das Licht der Welt. Ein Stall wird es sein, in dem der Herr geboren wird. Eine Krippe soll es sein, in dem in Windeln gewickelt der Weltenherrscher liegt. Gottes Sohn wird Mensch! Er will diesen menschlichen Stallgeruch, um die verlorene Menschheit zu erlösen. Darum wird er einer von uns. Der Allmächtige wird ohnmächtig, um die ohnmächtigen Sünder zu ermächtigen, Gottes Kinder zu heißen. Der Herr wird ein Knecht, um die durch Sünde, Tod und Teufel Geknechteten zu befreien. Der Ewige tritt in die Endlichkeit, um denjenigen, die dem Tod verfallen sind, die Ewigkeit zu schenken. Der Heiland kommt in unserer Haut, um unsere Haut zu retten. Der Herr kommt, um zu bleiben. Er ist nicht nur irgendwie dabei, steht nicht am Rande, schaut nicht einfach zu. Vielmehr gibt er sich hinein in das Unheil dieser Welt, in die Sünde und in die Schuld seiner Menschen, in die Verzweiflung über Krankheit und in die Schrecken des Todes. Er stellt sich in die Hoffnungslosigkeit, um Hoffnung zu schenken. Er macht sich auf, um verwundete Herzen zu heilen. Der Herr ist sich nicht zu schade, sich ins Leiden zu stellen, denn er selbst hat gelitten. Gottes Sohn ist sich nicht zu fein, sich in den Dreck zu begeben, denn dort wurde er geboren. Der Weltenherrscher stellt seine Größe nicht zur Schau, sondern verbirgt sie, macht sich selbst klein, damit er zu fassen, zu greifen, zu schmecken ist:
Eingewickelt in die menschliche Sprache spricht doch das ewige Wort sowohl in der Predigt als auch in der Lossprechung von Sünden in der Beichte. Eingewickelt im Taufwasser werden Kinder Gottes wiedergeboren und Erben des ewigen Lebens. Eingewickelt unter Brot und Wein ist es doch der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi, die wir im Altarsakrament empfangen. Der Herr ist gekommen, um zu bleiben. Wohnung nimmt der Herr in den Herzen. Das führt in die Freude! Die Adventszeit ist die Zeit der Vorfreude auf die Weihnachtsfreude. Die Weihnachtsfreude über die Geburt Jesu Christi zu unserer Rettung aber weist auf die Vorfreude zur Ewigkeit. Diese „Ewigkeitsfreude“ ist die Vorfreude auf die sichtbare Gemeinschaft mit Gott in seiner ewigen Herrlichkeit. Denn dort ist das himmlische Jerusalem, auf das wir in Vorfreude warten. In dieser Vorfreude singen wir trotz aller Herausforderungen und Widrigkeiten mit Friedrich Heinrich Ranke aus unserem neuen Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuch Nr. 321):

Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig' Reich, Hosianna in der Höh'! Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Hosianna, Friedefürst, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ew'gen Vaters Kind! Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

Die Vorfreude ist die schönste Freude! So wünsche ich allen eine besinnliche Advents- und gesegnete Weihnachtszeit sowie ein segensreiches Jahr 2022 in der Vorfreude auf den, der da ist, der da war und der da kommt: Jesus Christus.
Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Markus Büttner

SELK


 

 

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